Urlaub

Eine Reihe von Umständen im Privatleben geben dem Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub: die Geburt eines Kindes, die Ausübung eines politischen Mandats, die Laufbahnunterbrechung oder der Zeitkredit, eine Weiterbildung.

Für zusätzliche Informationen zum Jahresurlaub wenden Sie sich bitte an den FÖD Soziale Sicherheit.

Thematischer Urlaub

In Belgien gibt es thematischen Urlaub, der es den Arbeitnehmern ermöglicht, kurze Abwesenheiten zu nehmen oder sogar ihre Arbeitszeit aus verschiedenen Gründen zu reduzieren. Je nach Situation stehen ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

Hier sind die verschiedenen Arten des thematischen Urlaubs:

  • Elternurlaub
  • Urlaub für Palliativpflege
  • Urlaub zur Pflege oder zum Beistand eines schwerkranken Haushalts- oder Familienmitglieds
  • Urlaub für nahestehende Hilfspersonen

Der Elternurlaub

In Belgien hat sowohl im Privatsektor als auch im öffentlichen Sektor jeder Arbeitnehmer die Möglichkeit, Elternurlaub in Anspruch zu nehmen.

Elternurlaub ist ein thematischer Urlaub. Es handelt sich um eine spezifische Form der Vollzeit- oder Teilzeitlaufbahnunterbrechung, die es Arbeitnehmern ermöglicht, ihre Arbeitsleistungen vollständig auszusetzen oder zu verringern, um sich um ihr(e) Kleinkind(er) zu kümmern.

Der Arbeitnehmer kann sich für eine der folgenden Formen des Elternurlaubs entscheiden: 

  • Vollzeitelternurlaub: Jeder Vollzeit- oder Teilzeitarbeitnehmer kann die Erfüllung seines Arbeitsvertrags für einen Zeitraum von vier Monaten vollständig aussetzen. Der Zeitraum von vier Monaten kann nach Wahl des Arbeitnehmers in Monate aufgeteilt werden.
     
  • Halbzeiturlaub: Jeder Vollzeitarbeitnehmer kann während eines Zeitraums von acht Monaten nur noch halbtags arbeiten. Der Zeitraum von acht Monaten kann nach Wahl des Arbeitnehmers aufgeteilt werden. Allerdings muss jeder Antrag sich auf einen Zeitraum von zwei Monaten oder einem Vielfachen dieser Zahl beziehen.
      
  • 1/5-Elternurlaub: Jeder Vollzeitarbeitnehmer hat das Recht, seine Arbeitsleistungen für einen Zeitraum von 20 Monaten in Form einer Verkürzung um ein Fünftel fortzusetzen. Dieser Zeitraum von 20 Monaten kann nach Wahl des Arbeitnehmers aufgeteilt werden. Allerdings muss jeder Antrag sich auf einen Zeitraum von fünf Monaten oder einem Vielfachen dieser Zahl beziehen.
     
  • 1/10-Elternurlaub: Jeder Vollzeitarbeitnehmer hat das Recht, seine Arbeitsleistungen mit Zustimmung des Arbeitgebers für einen Zeitraum von 40 Monaten in Form einer Verkürzung um ein Zehntel fortzusetzen. Dieser Zeitraum von 40 Monaten kann aufgeteilt werden. Allerdings muss jeder Antrag sich auf einen Zeitraum von zehn Monaten oder einem Vielfachen dieser Zahl beziehen.

 

Der Übergang von einer Form des Elternurlaubs zu einer anderen ist möglich. Hierbei entspricht ein Monat Vollzeitelternurlaub zwei Monaten Halbzeitelternurlaub, fünf Monaten 1/5-Elternurlaub und zehn Monaten 1/10-Elternurlaub.

Das Recht auf Elternurlaub gilt pro Kind, das die Altersbedingungen erfüllt, für beide Elternteile individuell und sofern die zwei Elternteile den Elternurlaub in Anspruch nehmen können.

Jeder Arbeitnehmer kann den Elternurlaub innerhalb eines Zeitraums, der ab der Geburt des Kindes beginnt und bis zu dessen 12. Lebensjahr geht, in Anspruch nehmen. Die Altersgrenze liegt jedoch bei 21 Jahren, wenn das Kind körperlich oder geistig behindert ist.

Für den Anspruch auf Elternurlaub gibt es eine Dienstaltersbedingung. Tatsächlich kann der Arbeitnehmer dieses Recht auf Elternurlaub nur geltend machen, wenn er in den 15 Monaten, die dem schriftlichen Antrag beim Arbeitgeber vorausgehen, für einen Zeitraum von 12 Monaten (nicht unbedingt durchgehend) durch einen Arbeitsvertrag an den Arbeitgeber gebunden war.

Das Recht auf Elternurlaub besteht auch im Fall von Adoption.

Unterbrechungszulage

Grundsätzlich erhält der Arbeitnehmer während des Elternurlaubs eine Unterbrechungszulage zu Lasten des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung (LfA).

Die Informationen über Elternurlaubsgeld sind auf der Website des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung erhältlich.

Der Urlaub für Palliativpflege

Der Urlaub für Palliativpflege ermöglicht es jedem Arbeitnehmer, die Erfüllung seines Arbeitsvertrags ganz auszusetzen oder seine Arbeitsleistungen zu kürzen, um sich der Palliativpflege einer unheilbar erkrankten Person zu widmen. Diese Person muss nicht unbedingt ein Familienangehöriger sein.

Palliativpflege ist jede Form von Pflege sowie medizinischer, sozialer, administrativer oder psychologischer Begleitung für Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit im Endstadium leiden.

Das Recht auf Urlaub zur Palliativpflege kann wie folgt wahrgenommen werden:

  • Jeder Vollzeit- oder Teilzeitarbeitnehmer kann die Arbeitsleistungen für einen Zeitraum von maximal einem Monat pro Patient vollständig aussetzen. Dieser Zeitraum kann zweimal um einen Monat verlängert werden.
  • Jeder Vollzeitarbeitnehmer kann seine Arbeitsleistungen für einen Zeitraum von maximal einem Monat pro Patient um ein Fünftel oder die Hälfte kürzen. Dieser Zeitraum kann zweimal um einen Monat verlängert werden.
  • Jeder Teilzeitarbeitnehmer, dessen durchschnittliche Arbeitszeit mindestens ¾ der wöchentlichen Arbeitszeit eines Vollzeitarbeitnehmers ausmacht, kann seine Arbeitsleistungen pro Patient für einen maximalen Zeitraum von einem Monat auf eine Halbzeitbeschäftigung kürzen. Dieser Zeitraum kann zweimal um einen Monat verlängert werden.


Der Urlaub beginnt am ersten Tag der Woche nach der Woche, im Laufe deren der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine Bescheinigung vom behandelnden Arzt übergibt oder mit Einverständnis des Arbeitgebers zu einem früheren Zeitpunkt

Unterbrechungszulage

Weitere Informationen über den Anspruch auf Zulagen während des Urlaubs für Palliativpflege finden Sie auf der Website des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung (LfA).

Der Urlaub zur Pflege oder zum Beistand eines schwerkranken Haushalts- oder Familienmitglieds

Jeder Arbeitnehmer des Privatsektors hat das Recht, die Erfüllung seines Arbeitsvertrags ganz auszusetzen oder seine Arbeitsleistungen zu kürzen, um ein schwerkrankes Haushalts- oder Familienmitglied zu pflegen oder ihm beizustehen.

Um einem schwerkranken Haushalts- oder Familienmitglied beizustehen, verfügt der Arbeitnehmer über verschiedene Möglichkeiten:

  • Pro Patient kann jeder Vollzeit- oder Teilzeitarbeitnehmer seine Arbeitsleistungen für einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten vollständig aussetzen. Diese Unterbrechungen müssen jeweils in Zeitabschnitten von mindestens einem Monat bis zu höchstens 3 Monaten genommen werden.
  • Jeder Vollzeitarbeitnehmer kann seine Arbeitsleistungen für einen Zeitraum von maximal 24 Monaten pro Patient um ein Fünftel oder die Hälfte kürzen.  Diese Zeiträume von Verkürzung der Arbeitsleistungen müssen jeweils in Zeitabschnitten von mindestens einem Monat bis zu höchstens 3 Monaten genommen werden.
  • Jeder Teilzeitarbeitnehmer, dessen Arbeitszeit mindestens ¾ der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit eines Vollzeitarbeitnehmers ausmacht, kann seine Arbeitsleistungen pro Patient für einen maximalen Zeitraum von 24 Monaten auf eine Halbzeitbeschäftigung kürzen. Diese Zeiträume von Verkürzung der Arbeitsleistungen müssen jeweils in Zeitabschnitten von mindestens einem Monat bis zu höchstens 3 Monaten genommen werden.

Unterbrechungszulage

Weitere Informationen zu den Zulagen im Rahmen des Urlaubs für medizinischen Beistand finden Sie auf der Website des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung (LfA).

Der Urlaub für nahestehende Hilfspersonen

Seit dem 1. September 2020 ist ein neuer thematischer Urlaub für Arbeitnehmer eingeführt worden, die als nahestehende Hilfspersonen einer pflegebedürftigen Person anerkannt sind. Die nahestehende Hilfsperson bietet der zu betreuenden Person dauerhaft oder regelmäßig Hilfe und Unterstützung.

Arbeitnehmer, die diesen neuen thematischen Urlaub in Anspruch nehmen möchten, müssen die gesetzlich festgelegten Bedingungen erfüllen und insbesondere als nahestehende Hilfspersonen anerkannt sein.  Um diese Anerkennung zu erhalten, muss die nahestehende Hilfsperson unter anderem:

  • Ein Vertrauensverhältnis oder eine emotionale oder geografische Nähe zu der betreuten Person aufgebaut haben
  • Einen ständigen und tatsächlichen Wohnsitz in Belgien haben
  • Im Bevölkerungsregister oder im Ausländerregister eingetragen sein

Hilfe und Unterstützung darf nicht auf beruflicher Ebene geleistet werden, sondern muss kostenlos und in Zusammenarbeit mit mindestens einer professionellen Hilfskraft erfolgen.

Arbeitnehmer, die als nahestehende Hilfspersonen anerkannt werden, können diesen neuen thematischen Urlaub beim Arbeitgeber beantragen und eine Zulage vom Landesamt für Arbeitsbeschaffung (LfA) erhalten.

Ein Antragsformular und ein Informationsblatt sind auf der Website des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung (LfA) verfügbar.

Weitere Informationen über den Elternurlaub und den thematischen Urlaub finden Sie auf der Website des FÖD Beschäftigung, Arbeit und Soziale Konzertierung und auf der Website des Landesamtes für Arbeitsbeschaffung (LfA)

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unser Website in französischer oder niederländischer Sprache